Guatemala

flagge-guatemalaAmtssprache: Spanisch
Hauptstadt: Guatemala-Stadt (ca. 3Mio Einwohner)
Einwohnerzahl: ca 13 000 000
Anteil der Mayabevölkerung: ca. 50-60%;
Durchschnittsalter: 20

Guatemala wird oft als eines der schönsten guate MapLänder weltweit bezeichnet. Das liegt hauptsächlich an der beeindruckenden Vielfalt von Flora und Fauna. Vor allem im Hochland finden sich beeindruckende Teile des Regenwaldes. Auch die Maya Kultur lockt jährlich zahlreiche Touristen in „das Land des ewigen Frühlings“. Dennoch gehört Guatemala immer noch aufgrund seiner schweren Geschichte zu einem der ärmsten Länder Lateinamerikas. Nach hunderten Jahren Kolonialisierung und einem 30-jährigen Krieg hat sich in Guatemala an den Besitzverhältnissen, vor allem an Land,  seit Jahrhun-derten kaum etwas geändert. Guatemala ist einerseits ein an Bodenschätzen (Gold, Silber, Kupfer etc.) reiches Land, andererseits ein Entwicklungsland mit überwältigenden Armuts- und Gewaltstatistiken.


Politische Lage:
Seit dem 15. Januar 1996 gilt Guatemala offiziell laut seiner Verfassung als demokratische Republik. Dennoch werden beinahe alle politischen Prozesse von und zu Gunsten der kleinen Oberschicht des Landes gesteuert. Die Wahlbeteiligung liegt meist knapp über 50%, was meist an man­gelnder Bildung der indigenen Bevölkerung liegt, die daher nicht wählen geht. Desweiteren scheitert eine funktionierende Politik an der Vergangenheit vieler hochrangiger Politiker, selbst Präsidenten, die aktiv am Genozid der Maya Bevölkerung während des Bürgerkriegs 1966 bis 1996 beteiligt waren. Auch die aufwendigen Wahlkampagnen werden mit illegalen Geldern, z.B. durch die Drogenmafia finanziert.


Wirtschaft
Guatemala beschränkt sich bei seinen Exportgütern hauptsächlich auf natürliche Rohstoffe wie Zucker, Kaffee, Baumwolle, Kautschuk, Kardamom, Bananen. Dennoch werden diese Exporte oft unter unfairen Bedingungen produziert (z.B. Kinderarbeit). Beim Erlös für diese Produkte ist man abhängig vom Weltmarkt und den transnationalen Händlern, die hauptsächlich den Gewinn einstecken. Der überwiegende Teil der landwirtschaftlichen Produktion ist für den Export bestimmt, was zur Folge hat, dass selbst einige Grundnahrungsmittel wie Mais aus den USA importiert werden.
Als Beispiel gilt der guatemaltekische Kaffee, der als einer der Besten weltweit gilt, Die besten Kaffeebohnen gehen alle in den Export, für den Großteil der Bevölkerung sind sie unerschwinglich und so wird in Guatemala meist nur „billiges“ Instant Kaffeepulver verwendet.
Durch die alleinige Konzentration Guatemalas auf den Export von Rohstoffen können Industrienationen diese also billig einkaufen, zu Fertigwaren weiter produzieren und zu einem deutlich höheren Preis weiterverkaufen.
51 % des Bruttoinlandsproduktes stammen aus dem informel­len Sektor, das heißt, es werden weder Steuern gezahlt noch erhalten die Arbeitnehmer Sozialleistungen. Der Großteil dieses Prozentsatzes bildet sich aus der Landwirtschaft und den Straßenhändlern, meist Indigenas, die Süßigkeiten oder kleinere Haushaltsgüter verkaufen. Ein anderer großer Bestandteil des nationalen Einkommens entsteht aus “Maquilas”: Fabriken, in denen Konfektionskleidung hauptsächlich von Frauen mit wenig oder keiner Schulausbildung unter teils menschenunwürdigen Bedingungen zusammengenäht werden.
Es bleiben trotz hoher Arbeitslosigkeit viele Stellen unbesetzt, wegen man­gelnder Quali­fikation. Es fehlen z.B. Ingenieure, technische Berufe. Nur 1 bis 2% der Bevölkerung haben einen Universitätsabschluss.
8% der Finkas (Großgrundbesitze) bewirtschaften 75 % des kultivierbaren Landes. Unter den Kleinbauern (Campesi­nos) werden 80% der ländli­chen Haushalte von Frauen geführt, weil die Männer an­derswo Arbeit suchen.


Arbeitswanderung (Migración)
Etwa 1,6 Million Guatemalteken leben derzeit in den USA, davon mehr als 60% illegal. Sie schickten 2010 mehr als 2,7 Mrd Dollar nach Guatemala. Diese Transfers illegaler Auswanderer sind derzeit Guate­malas größte volkswirtschaftliche Einnahmequelle.  Der Großteil will drei bis vier Jahre bleiben – viele kommen jedoch nie mehr zurück, gründen eine zweite Familie, sodass die zurückgelassenen Verwandten auf die erhoffte Unterstützung verzichten müssen. Die Folge sind viele sozial desintegrierte Familien, in denen die Frau nun alleine für den Unterhalt aufkommen muss.


Armut
Laut dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) steht Guatemala in der Liste der ärmsten Länder weltweit an 56. Stelle. Obwohl Guatemala die höchste Bevölkerungsdichte Mittelamerikas vorzuweisen hat, gilt es als eines der ärmsten Länder des Kontinents. Mehr als die Hälfte der Menschen dort leben in Armut, 15% in extremer Armut. 51% aller Kinder leiden unter chronischer Unterernährung, diese Zahl ist eine der höchsten weltweit. In der indigenen Bevölkerung ist die Lage sogar noch prekärer. Unter ihnen leben 76% in Armut und fast jeder dritte leidet unter extremer Armut.
Dass Guatemala als „reicher“ erscheint als andere südamerikanische Staaten liegt jedoch an der ungleichen Verteilung der Einkommen. Die reichsten 10% des Landes erwirtschaften und konsumieren 40% des gesamten BIP.
Die vorherrschende Armut und der Unmut über die ungleiche Verteilung des nationalen Einkommens führt zu einer der höchsten Gewaltraten auf globaler Ebene. 2010 hatte Guatemala die sechsthöchste Mordrate weltweit. Zehn Jahre zuvor waren die Opferzahlen nur halb so groß. Zusätzlich trägt zunehmend die Auseinandersetzung der verschiedenen Drogenkartelle dazu bei. Die unterbezahlte und schlecht ausgebildete Polizei ist der Situation schon längst nicht mehr gewachsen, so herrscht Korruption bis in die höchste Reihen.


Gesundheit
Das staatliche Gesundheitssystem garantiert die kostenlose Behandlung durch Ärzte in  Krankenhäusern, dennoch können die meistens Menschen nicht für die Materialkosten, wie Röntgenaufnahmen, Medikamente oder ähnliches aufkommen. Doch selbst die Situation in den Krankenhäusern ist oft besorgniserregend. Ab Mitte des Jahres gehen oft die Medikamente aus und Zweibettzimmer werde mit bis zu zehn Leuten belegt.
Die Landbevölkerung lebt aber nicht nur aufgrund der dort herrschenden  Armut in ungesünderen Verhältnissen, sondern wegen der mangelnden Ärztepräsenz auf dem Land.


Bildung
Im guatemaltkischen Schulsystem gelten sechs Jahre Schulausbildung als Pflicht. Oft kann es jedoch passieren, dass die Schüler ein oder mehrere Jahre aussetzten müssen, um ihre Eltern finanziell durch Arbeit zu unterstützen. Auch müssen ca. ein Drittel der Schüler bereits das erste Schuljahr wiederholen, da sie beispielsweise mit ihrer Muttersprache (1 von 21 Maya Sprachen) aufgewachen sind und in den Schulen auf Spanisch gelehrt wird. Nach der Grundschulbildung muss die Mittel- und Oberstufenbildung meist privat bezahlt werden, da es auf diesem Sektor meist nur Privatschulen gibt. Der Anteil der staatlichen Oberschulen lag in 2009 bei gerade einmal 19,5%! Einer staatlichen Universität (Universidad de San Carlos, gegr. 1676) stehen mindestens 8 private gegenüber.
Durch die schlechte Ausbildung der Lehrer, die benötigte Arbeitskraft der Kinder durch ihre Eltern, die Sprachbarriere und schlecht ausgerüstete Schulen herrscht eine hohe Analphabetenrate unter den Erwachsenen; In 2009 lag die Alphabetisierungsrate im landesweiten Durchschnitt  bei 80,6%, in der Provinz Quiché mit fast ausschliesslich indigener Bevölkerung lag sie dagegen bei nur 68,6% bei Männern und bei Frauen bei erschreckenden 57,1% bei Frauen.


Situation der Indigenas
Ungefähr die Hälfte der guatemaltekischen Bevölkerung bezeichnet sich als „Ladinos“, was sich auf ihre spanischen Wurzeln bezieht. Die anderen 50% haben einen indigenen Hintergrund. Nicht alle von ihnen stehen jedoch zu ihrer ethnischen Herkunft. Denn als bekennender Maya-Nachfahre ist man in Guatemala viel Diskriminierung ausgesetzt. Sie gelten aufgrund ihrer traditionellen Lebensweise als rückständig und werden nicht in das alltägliche Leben integriert. Wegen der geringen Ausbildung, die sie auf dem Land erhalten und der Ablehnung durch die Gesellschaft sind die Berufschancen minimal. Meistens arbeiten die Indigenas auf dem Feld, oft arbeiten die Mädchen als Haushaltshilfen in den Familien der Ladinos.
Die Abgrenzung findet auf mehreren Ebenen statt, viele Indeginas sprechen kein spanisch, weil sie nie eine Schule besucht haben. Es gibt insgesamt 21 Mayasprachen, die zwar offiziell akzeptiert sind aber trotz allem nur auf den Dörfern gesprochen werden.  Durch die fehlende Bildung und die soziale Ausgrenzung bleiben ihnen viele Arbeitsplätze verwehrt. Auch eine politische Formation ist nicht möglich, da viele Indigene nicht das Selbstvertrauen in ihre Kultur und deren Wichtigkeit haben, dass sie ein solches Aufbegehren bewirken würden.
Nach wie vor ist der indigenen Bevölkerung weitesgehend die politische und somit auch wirtschaftliche Teilhabe verwehrt. Gerade bei dem Thema Ausbeutung der Bodenschätze (Minen) kommt es oft zur Konfrontation zwischen staatlichen und privaten Interessen der Regierung und der internationalen Bergbaufirmen und den Rechten der indigenen Bevölkerung vor Ort, die mit den Folgen wie Umweltzerstörung, Wasserverschmutzung etc. zu leben haben.
Nach wie vor wird das indigene Gesicht Guatemalas allenfalls für touristische Zwecke beachtet. Jenseits der historischen Maya-Stätten und der farbenprächtigen Trachten, spielen die Anliegen der Indigenas bei den politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsträgern eine untergeordnete Rolle.

Der Artikel ist auch in ESPAÑOL verfügbar.