25. März: Interview mit der ehemaligen Stipendiatin Ana Beliana

Ana Beliana

Anna ist 24 Jahre alt, Maya-Q´anjobal aus Santa Eulalia/Huehuetenango. Sie ist Psychologin und war Ija´tz-Stipendiatin von 2009 bis 2015.

Was bedeutet für Dich dieser Erfolg des Universitätsabschlusses?

Der Uniabschluss ist für mich zunächst eine große Freude, aber auch eine Verpflichtung zugleich. Er verpflichtete mich um so stärker für mein Volk und für meine Mitmenschen einzusetzen, vor allem für diejenigen, die nicht das Glück hatten, höhere Bildung zu erlangen.

Was denkt Deine Familie darüber?

Manchmal ist es schwierig für unsere Familien wirklich zu verstehen, was ein solcher Abschluss und die damit verbundene Anstrengung und Mühe eines Studiums über all diese Jahre hinweg bedeutet. In unserer Kultur ist es für eine Frau in meinem Alter immer noch die Regel verheiratet zu sein und möglichst viele Kinder zu bekommen und nicht nach höherer Bildung oder gar beruflicher Verwirklichung zu streben. Ich bin das erste Familienmitglied überhaupt mit einem Universitätsabschluss und  eine der ganz wenigen Frauen aus meiner Heimatregion. So gesehen, freut sich meine Familie mit mir und ist stolz auf meinen Erfolg.

Wie beurteilst Du im Rückblick die Zeit als Stipendiatin von Ija´tz?

Die Zeit als Stipendiatin von Ija´tz war sehr wertvoll für mich, nicht nur im Hinblick auf die finanzielle Unterstützung, ohne die ich mein Studium nicht hätte beginnen und erfolgreich abschließen können, sondern gerade auch im Hinblick auf meine persönliche Entwicklung. Vor allem die persönliche Begleitung durch meinen Tutor und das Projektteam in all den Jahren und das Bildungsprogramm haben mich persönlich reifen lassen und mich auf meinem Weg bestärkt. Dafür werde ich dem Projekt und den Spendern in Deutschland immer dankbar sein.

Was ist die Botschaft, die Du gerne zukünftigen StipendiatInnen mitgeben möchtest?

Vor allem, dass sie wissen sollten, dass Bildung ein Recht ist, auf das alle in Guatemala –Männer wie Frauen- einen Anspruch haben. Bildung ist der einzige Weg aus der Unwissenheit und damit auch der Weg, repressive und ungerechte Strukturen zu hinterfragen und mündig seine eigene Meinung entgegenzustellen. Nur durch Bildung können die vielen großen und kleinen Teufelskreise in unserem Leben durchbrochen und Bewusstsein verändert werden. Das macht uns frei. Wenn du also wirklich frei und selbstbestimmt leben möchtest, dann lerne und studiere!

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